1 MBit/s ist extrem langsam. 16 MBit/s sollte längst kein (schlechter) Standard mehr sein. 50 oder 100 MBit/s sind toll. 200 MBit/s und 400 MBit/s bewerben Internetanbieter immer häufiger. Die Bandbreiten bei Internetanschlüssen werden immer größer. Doch wie schnell muss eigentlich mein Internet sein? Warum ist es langsam, warum schnell? Und wozu ist welche Bandbreite erforderlich? Wir klären auf.

Die Versorgung: Warum manche Internetleitungen langsam sind

Jeder will ein ausreichend schnelles und leistungsstarkes Internet. Allerdings ist dies vom Wohnort abhängig. So gibt es ganze Ortschaften, in denen kaum eine Bandbreite von 6 MBit/s möglich ist. Selbst MBit/s ist nicht überall realisierbar. Grund ist die Länge des Internetkabels zwischen den Verteilerkästen und Vermittlungsstellen. Dabei gilt: Je länger der Weg, desto geringer ist die Bandbreite. Daher sind gute Bandbreiten ab 32 MBit/s insbesondere in abgelegen Gebieten schwer realisierbar. Zumindest dann, wenn sie über das Kupferkabelnetz der Telefonleitungen laufen. Bei Glasfaserkabeln bis kurz vor die Wohnungen ist es deutlich besser. Die Unterschiede in der Versorgung mit ausreichend leistungsstarken Internetverbindungen liegen also jeweils am Ausbauzustand des lokalen Netzes. Je näher Glasfaserkabel am letzten Verteilerkasten liegt, desto mehr Bandbreite ist theoretisch möglich. Ist ein Ort nur mit Kupferkabeln erschlossen, werden dort kaum schnelle Internetverbindungen möglich sein.

Welche Internetgeschwindigkeit ist wann ideal?

Je nach Wohnort ist es daher für Kunden unmöglich, einen ausreichend schnellen Internettarif zu wählen. Eine große Bandbreite ist für viele Anwendungen jedoch inzwischen unerlässlich. Doch welche Geschwindigkeit ist für was sinnvoll?
  • 1 MBit/s: Diese Bandbreite reicht zum Abrufen von E-Mails und zum Surfen auf Informationsseiten. Bereits Videos können „ruckelig“ wirken.
  • 6 MBit/s: Videos, kleine Spiele, sogar Internet-Fernsehen sind mit dieser Bandbreite möglich. Allerdings ist das für diese Anwendungen das unterste Level.
  • 16 MBit/s: Mit dieser Geschwindigkeit beginnt das Internet langsam Spaß zu machen. Die genannten Anwendungen laufen flüssig, es kommt kaum zu Verzögerungen. Zusätzlich sind Online-Games möglich, bei denen zeitkritische Reaktionen erforderlich sind (sofern die eigene Hardware mitspielt). Auch Streaming läuft meistens reibungslos.
  • 50 MBit/s: Ab dieser Bandbreite sind alle Anwendungen problemlos möglich: ruckelfreies Spielen, aussetzerloses Internet-Fernsehen und optimale Videos. Wichtig: Ab 50 MBit/s steigt auch die Uploadbandbreite. Damit ist es möglich, eigene Videos und Fotogalerien schnell ins Netz zu überragen oder Spielstände im Netz zu speichern.
  • 100 MBit/s und mehr: Diese Bandbreite benötigt kein Mensch, hieß es lange. Doch das stimmt nicht. Extrem schnelle Uploads sorgen insbesondere dafür, dass Daten vom eigenen Computer schnell ins Internet gelangen. Auch für WGs ist diese Bandbreite optimal. Selbst wenn einer spielt und ein anderer Internet-TV sieht, bleibt genug Bandbreite für weitere Nutzer.

Welche Bandbreite ist für Internet-TV und Streaming sinnvoll?

In den letzten zwei, drei Jahren ist Streaming immer wichtiger geworden. Anhand von Online-Diensten wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdom wird deutlich, welche Bandbreite wann erforderlich oder sinnvoll ist. Info: Die Online-Videodienste messen zu Beginn des Streamings die verfügbare Bandbreite und passen die Übertragung entsprechend an. D. h.: Nur wer über eine schnelle Internetverbindung verfügt, bekommt die beste Video-Qualität. Daher ist eine große Bandbreite beim Streaming sehr wichtig! Die Anbieter von Serien und Filmen geben überraschenderweise verschiedene Mindestbandbreiten für ihre Dienste an. Erklärbar ist das mit verschiedenen Streaming-Techniken und Server-Hardware. Am Ende zählt aber das Bild beim Zuschauer. Und das erfordert meistens eine gute Internetleitung. Folgende Mindestbandbreiten empfehlen die Anbieter (weitere geben ähnliche Bandbreiten vor):
 StandardHD4k (Ultra-HD)
Amazon Prime0,9 MBit/s3,5 MBit/s15 MBit/s
Netflix0,5 MBit/s5 MBit/s25 MBit/s
Maxdome2 MBit/s6 MBit/s
Magine2 MBit/s8 MBit/s
Schnell wird deutlich, dass Standardfilme nur eine geringe Bandbreite erfordern. Dennoch ist das nur die halbe Wahrheit. Denn Mindestbandbreite bedeutet eben auch, dass der Zuschauer mit „Nachladen“, Bildwacklern und punktuellen Tonausfällen sowie einem „matschigen“ Bild rechnen muss. Erst ab 6 MBit/s, noch besser 16 bzw. 32 MBit/s laufen die Filme störungsfrei auf dem Bildschirm. Je besser die Qualität des gesendeten Films, desto mehr Bandbreite ist auch erforderlich, um diese Qualität entsprechend auf den Bildschirm des Empfängers zu bringen. Für HD sind daher 16 MBit/s die realistische Bandbreite, besser 32 bzw. 50 MBit/s. Für das bisher noch seltene Ultra-HD-Format (4K) geben die Anbieter selbst 15 bzw. 25 MBit/s an. 50 oder 100 MBit/s sind ideal. Da Ultra-HD in Zukunft HD ablösen soll, wird eine große Bandbreite immer wichtiger. Achtung: Neben der Bandbreite ist die genutzte Hardware wichtig. Ein guter Bildschirm, ein schnelles WLAN bzw. idealerweise LAN-Kabel tragen erheblich zur Qualität der Übertragung bei. Ein veralteter WLAN-Router ist dagegen häufig ein störender Flaschenhals.

Was tun, wenn die Internet-Geschwindigkeit nicht ausreicht?

Wenn die eigene Geschwindigkeit nicht ausreicht, gibt es zwei Möglichkeiten.
  1. Wechsel des Internettarifs: Sofern technisch möglich, kann der Betroffene bei seinem Anbieter sich hochstufen lassen. Dabei wechselt er in einen Tarif mit größerer Bandbreite. Details sind vom Anbieter abhängig. Alternativ kann der Kunde zum Vertragsende zur Konkurrenz wechseln, sofern diese einen schnelleren Internetzugang bietet.
  2. Der eigene Anschluss ist regelmäßig deutlich langsamer, als der Tarif vorsieht: In diesem Fall kann der Kunde Nachbesserung verlangen. Allerdings muss zunächst eine zu geringe Bandbreite nachgewiesen werden. Möglich ist das mit einem DSL-Speedtest wie bei uns auf der Seite. Wichtig: Dabei sind Virenscanner auszuschalten und möglichst ein LAN-Kabel zwischen Router und Computer zu setzen, um Hardwareeinflüsse auszuschließen. Liegt regelmäßig eine zu geringe Bandbreite vor, muss der Anbieter ggf. den Anschluss prüfen und die Leitung optimieren. Kann dieser dennoch die vertraglich festgeschriebene Bandbreite nicht erfüllen, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Aber Vorsicht: Meistens liegt ein grundlegendes Leitungsproblem vor, sodass auch ein anderer Anbieter die gewünschte Bandbreite nicht realisieren kann.
Ein regelmäßiger Anbietervergleich lohnt sich. Denn zum Ende der Vertragslaufzeit kann der Kunde durch einen Wechsel nicht nur häufig Geld sparen, sondern ggf. von einem Plus an Bandbreite bei der Konkurrenz profitieren. Liegt dagegen ein echtes Versorgungsproblem vor, ist ein Wechsel auf eine andere Zugangstechnologie wie Kabel-Internet, LTE/Hybrid, Satellit eine Option. In Einzelfällen bietet die Konkurrenz des eigenen Anbieters eventuell sogar einen Anschluss über ein eigenes parallel gebautes Leitungsnetz, sodass ein Glasfaseranschluss (FTTC/FTTB) möglich ist. Dieser erlaubt Bandbreiten von 50 oder 100 MBit/s bis zu 1 GBit/s. Schneller geht es derzeit kaum.
Wie schnell muss mein Internet sein?
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André ist Inhaber von DSLVergleich.net. Er ist mit dem Internet aufgewachsen und trotzdem noch fast normal geblieben. Folgen Sie ihm auf Twitter unter @andreriechert

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