Was ist der Ping-Wert?

Beim Surfen im Internet kommt es insbesondere auf die Download-Bandbreite an. Diese ist entscheidend für die Geschwindigkeit, mit der Daten aus dem World Wide Web auf den Rechner kommen, also sich zum Beispiel Webseiten aufbauen oder Downloads abgeschlossen sind. Es gibt jedoch einen Wert, die für manche Anwendungen ebenfalls extrem wichtig ist: Der Ping-Wert oder Ping. Was ist das und welchen Einfluss hat diese Messgröße auf die Geschwindigkeit?

Ping: Round Trip Time der Datenpakete

Jedes Mal, wenn Sie im Internet surfen, schicken Sie eine Anfrage an einen Zielordner, auf dem eine Webseite oder Datei liegt. Kommt diese Anfrage dort an, wird sie kurz verarbeitet und dann zurückgeschickt. Es startet der Download der Daten oder die Anzeige von Webseiten. Die Zeit, die ein Datenpaket von Ihrem Gerät aus benötigt, um den Server zu erreichen und zurückzukehren, nennt sich auch Round Trip Time (Paketumlaufzeit). Es hat sich eingebürgert, diesen Vorgang „pingen“ oder „anpingen“ zu nennen, daher heißt die Round Trip Time (RTT) auch Ping. Ping-Werte liegen üblicherweise im ein- oder niedrigen zweistelligen Millisekundenbereich.

Ping: kleine Werte, große Wirkung

Anders als bei Downloads und Uploads sind kleinere Werte besser. Denn je geringer der Ping-Wert ist, desto schneller beantwortet ein Server eine Anfrage und schickt die gewünschten Daten zurück. Dieser Wert ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen von der Anbindung des Zielservers, zum anderen von der Internetverbindung bei Ihnen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sie möchten eine Datei aus dem Web herunterladen. Sie rufen die Zielseite auf, diese baut sich auf, dann klicken Sie auf die Datei. In diesem Moment senden Sie ein Datenpaket, das sagt: „Hey, ich will dich herunterladen“. Der Server reagiert und sagt: „Bitte, hier hast du die Datei“ und der Download startet. Die Zeit von der Anfrage bis zur Antwort in Form des Starts des Downloads ist die Reaktionszeit, also der Ping-Wert.

Info: Die beim „Anpingen“ einer Seite oder Datei entstehende Wartezeit heißt auch Latenz.

Wann ist ein kleiner Ping-Wert besonders wichtig?

Was bei einem Download nicht so entscheidend ist, kann bei einigen Anwendungen eine erhebliche Bedeutung haben. Zwei typische Beispiele verdeutlichen den Einfluss des Pings:

  • Videoanrufe wie bei Skype: Ist der Ping-Wert der eigenen Leitung oder die des Gegenübers zu groß, kommt es zu Verzögerungen. Während Sie etwas sagen und auf eine Antwort warten, entsteht eine Pause. Diese ist irritierend, sodass viele Skype-Nutzer dann die Lücke durch eine neue Aussage füllen. Der Gegenüber hat Sie aber gerade erst gehört und will zur Antwort ansetzen, was bei Ihnen nur noch nicht angekommen ist. Es kommt zum Durcheinanderreden bei Ihnen und zum Unterbrechen beim Gegenüber. Eine große Latenz kann bei Skype und ähnlichen Anwendungen daher die Nerven stark strapazieren.
  • Online-Games: Beim Spielen von Online-Games können ein großer Ping-Wert und die damit verbundene Latenz sogar im wahrsten Sinne des Wortes „lebensbedrohlich“ für die eigene Spielfigur sein. Sendet der Server Ihnen zum Beispiel eine Situation, in der ein Gegner Sie angreift, können Sie zwar sofort reagieren und zum Beispiel zur Seite springen, sobald Sie die Szene visuell erfassen. Durch den großen Ping-Wert kommt die Szene bei Ihnen aber minimal verzögert an. Selbst bei einer extrem schnellen Reaktion sorgen der große Ping und die Latenz dafür, dass Ihre Reaktion wiederum beim Game-Server zu spät ankommt und es für Ihre Figur bereits längst „Game over“ heißt.

Welchen Ping-Wert haben die verschiedenen DSL-Angebote?

Es gibt keine verlässlichen Daten, welche Ping-Werte bei welcher Übertragungstechnik oder Bandbreite im konkreten Moment vorhanden sein werden. Je nach Anbieter, Leitungsart, Region und Entfernung zum Verteilerkasten sowie je nach eigener Konfiguration im WLAN oder auf dem Gerät können die Latenzen deutlich voneinander abweichen. Das heißt: Jedes Gerät und jeder Anschluss erzielt andere Ping-Werte. Generell gibt es jedoch Erfahrungswerte, mit denen Sie realistische Ping-Zeiten grob schätzen können. Folgende Werte sind typisch:

  • alte DSL-Leitungen: 30 bis 120 Millisekunden
  • neue DSL-Leitungen (ADSL2)/VDSL: 10 bis 35 Millisekunden
  • DSL mit Fastpath (s. u.): 8 bis 25 Millisekunden
  • Kabel-Internet: 12 bis 40 Millisekunden
  • Glasfaser (FTTH): 1 bis 18 Millisekunden
  • Satelliten-DSL: 180 bis 350 Millisekunden
  • UMTS: 175 bis 420 Millisekunden
  • UMTS mit HSPA: 70 bis 150 Millisekunden
  • LTE: 12 bis 60 Millisekunden
  • 5G: weniger als 1 Millisekunden

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Glasfaser bis ins Haus die beste Möglichkeit ist, die Ping-Werte zu reduzieren. Bei DSL-Leitungen kommt es auf die Technik an. Generell gilt: Wenn Sie eine DSL-Leitung mit Vectoring nutzen können (50er- oder 100er-Leitung), haben Sie tendenziell deutlich bessere Latenzen als bei alten DSL-Anschlüssen bis 16 Mbit/s. Satelliten-DSL fällt etwas heraus, weil die Daten erst zum Satellit und dann wider zum Boden geschickt werden müssen. Auch beim Mobilfunk sind die aktuell möglichen Ping-Werte unbefriedigend und für Videoanrufe und Gamer nicht geeignet. Eine Änderung bringt voraussichtlich erst das 5G-Netz.

Ping-Wert testen – Latenz ermitteln

Sie können die Verzögerung bei einer Verbindung zu einem Ziel selbst testen. Zum Beispiel zwischen Ihrem Gerät und zu dslvergleich.net. Dazu gehen Sie im Windows-System auf Start und dann auf Eingabeaufforderung. In das Feld tippen Sie cmd ein. Es öffnet sich ein Fenster. Dort tippen Sie den folgenden Befehl ein und schließen mit Enter ab: ping dslvergleich.net

Im Fenster erscheinen nun einige neue Zeilen. Unter anderem finden Sie dort den ermittelten Ping-Wert. Wichtig ist dabei, dass der Ping stets zwischen zwei Zielen ermittelt wird und nicht allein für Ihren Anschluss ins Internet. Sie müssen stets das gewünschte Ziel eingeben. Ein schlechter Ping kann also auch am Gegenüber liegen.

Den eigenen Ping-Wert verbessern

Eine Alternative ist, einen externen DSN-Server (Domain Name System) wie Google DNS einzubinden. Das DNS löst Paketanfragen in die IP-Adresse auf. Ein alternativer DNS-Server ersetzt den vom Provider zugewiesenen und kann je nach Standort die Latenz am eigenen Anschluss erheblich reduzieren. Unter Windows 10 können erfahrene Nutzer die entsprechende Änderung selbst vornehmen. Im „Netzwerk- und Freigabecenter“ gibt es den Punkt „Adaptereinstellungen ändern“. Mit Rechtsklick auf die eigene Verbindung lassen sich dort unter „Eigenschaften“ Einstellungen ändern. Unter den entsprechenden Punkten sind folgende Änderungen erforderlich:

  • IPv4 (IP-Adressen nach Internetprotokoll 4):
    Bevorzugter DNS-Server: 8.8.8.8
    Alternativer DNS-Sever: 8.8.4.4
  • IPv6 (IP-Adressen nach Internetprotokoll 6):
    Bevorzugter DNS-Server: 2001:4860:4860::8888
    Alternativer DNS-Sever: 2001:4860:4860::8844

Achtung: Sollte es zu Eingabefehlern kommen, kann die eigene Verbindung beeinträchtigt werden. Daher sollten unerfahrene Nutzer die vorher dort hinterlegten Angaben notieren und die Änderungen bei Bedarf ggf. zurücknehmen. Auch ist Google nun theoretisch in der Lage, das eigene Surfverhalten zu protokollieren und auszuwerten.

Weitere Möglichketen sind Einstellungen am eigenen Gerät. Zum einen ist es besser, über ein LAN-Kabel ins Internet zu gehen, als über ein WLAN. Zum anderen steigern Virenscanner die Latenz, da sie die ankommenden Daten erst prüfen. Darüber hinaus können Sie Hintergrundprogramme im Taskmanager Ihres Gerätes deaktivieren. Dazu sind jedoch erweiterte Kenntnisse erforderlich, um das System nicht zu destabilisieren.

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