Internetanschluss: Worauf kommt es beim Gaming an?

Ein echter Zocker benötigt heute einen leistungsstarken Internetanschluss. Was früher auf dem PC mit CD-Rom und DVD funktionierte, verlagern die Gameschmieden immer mehr ins Internet. Dabei geht es nicht nur um Updates oder ausgelagerte Spielstände, die auf Servern gespeichert werden. Die hervorragenden, lebensechten Grafiken benötigen einfach viel Platz, daher sind bei vielen hochwertigen Spielen ganze Datenpakete gar nicht erst auf dem Rechner der Spieler, sondern auf Servern der Hersteller hinterlegt. Hinzu kommt, dass Online-Spiele wie World Of Warcraft ausschließlich im Internet gespielt werden.

Wenn bei solchen Spielen die Internetverbindung zu knapp bemessen ist, kann es mitten im Kampf mit dem Endgegner zu Rucklern oder Verzögerungen kommen. Dann ist das Ende des eigenen Heldens schneller erreicht, als der Spieler es auf dem Bildschirm überhaupt sieht. Während er noch über die letzte Finte grübelt, heißt es für ihn auf dem Server längst: Game over. Der Spieler erfährt von seinem spielerischen Ende erst einen Augenblick später. Ein ähnliches frustrierendes Problem können Verluste von Datenpaketen bei der Übertragung sein oder Zeitverzögerungen im Duell gegen echte Spieler sein. Daher sollten Gamer sich um einen ausreichend schnellen Internet-Anschluss bemühen. Allerdings kommt es neben der Bandbreite auch auf weitere technischen Feinheiten an.

Warum ist die Internetverbindung & Bandbreite fürs Gaming wichtig?

Grundsätzlich gilt: Je größer die Bandbreite, desto ruckelfreier läuft ein Spiel. Microsoft empfiehlt für die Xbox One & Xbox Series X beispielsweise mindestens 1,5 MBit/s Download und 200 kBit/s Upload. Diese Datenraten sind auch bei anderen Spielekonsolen wie der Playstation 4 oder 5, der Nintendo Wii und Switch als auch beim einem Gaming-PC als absolutes Minimum anzusehen. Allerdings verliert die Geschwindigkeit während des Spiels ab einer gewissen Bandbreite zwischen 16 und 32 MBit/s an Bedeutung. Dennoch lohnen sich auch Internetverbindungen mit schnellerem Download. Denn während das Spiel bereits flüssig läuft, sind bei Updates und Installationen massig GB Daten aus dem Web herunterzuladen. Dabei zählt jedes MBit/s mehr an Geschwindigkeit. Das gilt umso mehr, wenn am gleichen Internetanschluss noch andere Mitbewohner hängen oder parallel Musik oder Videos über die Leitung laufen.

Ping: Warum ist die Latenzzeit für Gaming von Bedeutung?

Neben der Bandbreite ist es vor allem die sogenannte Latenzzeit, die Gamer interessiert. Diese heißt auch Ping. Hinter diesem technischen Ausdruck versteckt sich eine Verzögerung bei der Datenübertragung. Diese kann besonders im 1:1-Duell mit anderen Spielern zum großen Frustfaktor werden. Denn Verzögerungen auf einer Seite können zum Beispiel sogar zu undefiniert umherfliegenden Patronen bei Ego-Shootern führen. Vereinfacht gesagt: Wer bei Halo oder Counter-Strike einen zu hohen Ping-Wert auf der Leitung hat, verliert nicht, weil er schlechter ist, sondern weil sein Befehl zu langsam beim Server ankommt. Es entstehen die gefürchteten Lags.

Ideal ist ein sehr niedriger Ping-Wert. Daher gilt als Faustformel: Je niedriger der Ping-Wert, desto besser läuft das Online-Spiel. Werte um 20 bis 30 ms sind sehr gut, Werte um 100 ms und darüber sind ein potenzieller Frustfaktor. Diese Latenzzeiten sind einfach zu hoch fürs Gaming, die Lags häufen sich und das Spielvergnügen wird deutlich getrübt.

Gaming per DSL: Verbesserte Übertragung mit FastPath und Interleaving?

Paketverluste sind ein weiteres Ärgernis. Wenn bei der Übertragung bestimmte Datenpaketbestandteile verloren gehen, führt das zu Rucklern, fehlenden Grafikpixeln oder ein fehlerhaftes Gamesave.

FastPath ist allerdings ein Relikt aus den ADSL-Zeiten, wo es noch Übertragungsraten von 2 Mbit/s und 6 Mbit/s gab. Seitdem es DSL-Geschwindigkeiten von 16 Mbit/s und schneller gibt (VDSL), wird FastPath nicht mehr verwendet. Innerhalb der Datenübertragung Interleaving wurden Datenpakete teilweise 2-3 mal überprüft - was natürlich Zeit kostete. Aktuell werden schnellere Techniken wie non interleaving oder low interleaving eingesetzt, welche im Ergebnis bereits zu einem deutlichen niedrigeren Ping führen.

Deshalb war FastPath damals wichtig: Was für normale DSL-Nutzer damals kaum merkbar und damit nicht relevant war, war für Gamer ein Ärgernis. Um diesen höheren Ping-Wert auszugleichen, konnten Gamer ihren DSL-Anbieter jedoch beauftragen, FastPath zu schalten. Mit Fastpath konnten Latenzzeiten deutlich reduziert werden. Die Bandbreite selbst und damit auch die Downloadgeschwindigkeit blieb dabei unverändert, aber der Übertragungsstart wurde deutlich beschleunigt. Bei Online-Games war dies ein extrem wichtiger Punkt, da die Ping-Zeit ja bekanntlich die Reaktionszeiten im Game beeinflussen.

Flaschenhals vermeiden: DSL-Speed testen

Nicht immer liegt ein verzögertes oder ruckelndes Spiel an der Internetleitung. Manchmal bremst das eigene WLAN die eigentlich verfügbare Bandbreite aus. Um das herauszufinden, sollten Gamer einen Internet-Speedtest durchführen – und zwar zweimal!

  1. Speedtest im WLAN: Zunächst sollte die Leitung via WLAN geprüft werden, also ganz einfach am Monitor mit einem Speedtest die Geschwindigkeit testen. Das Ergebnis sollte idealerweise einen niedrigen Ping-Wert (Latenz) und eine Downloadgeschwindigkeit erreichen, die zumindest annähernd der gebuchten Bandbreite entspricht. Achtung: Die maximal verfügbare Bandbreite wird in der Regel nicht erreicht. Bei einer Leitung mit 16 MBit/s sind bspw. Werte um 13 bis 14 MBit/s im Download normal.
  2. Speedtest mit Ethernet-Kabel: Sind die Werte nicht zufriedenstellend, sollte der Speedtest direkt am Modem wiederholt werden. Das heißt: Statt WLAN-Router wird zwischen Gerät und Modem ein Ethernet-Kabel gesteckt. Dieses erlaubt in der Regel eine deutlich schnellere Datenübertragung. Sind die Werte in diesem Schritt akzeptabel, bildet das eigene WLAN einen Flaschenhals. Ergeben die Messungen mit Ethernet-Kabel mehrfach und zu unterschiedlichen Zeiten deutlich zu geringe Werte, sollte der Support des Internet-Anbieters kontaktiert werden.

Lösungsansätze bei hausgemachten Speedproblemen

Die Lösungsmöglichkeiten sind vielfältig. Grundsätzlich können folgende Ansätze die Speedprobleme reduzieren:

  • Ethernet-Kabel statt WLAN nutzen: Ethernet-Kabel sind bis auf Ausnahmen schneller als typische WLAN-Router. Daher kann ein Kabel helfen, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Allerdings ist dies nicht immer möglich, da die Gaming-Ecke häufig nicht in Kabelreichweite zum Modem steht.
  • Router austauschen: Die technische Weiterentwicklung bei Routern ist rasant. Wenn der eigene WLAN-Router bereits älter ist, kann ein neuer WLAN-Router dazu beitragen, die Bandbreite zu erhöhen: Das gilt insbesondere bei großen Bandbreiten um 100 MBit/s, denn viele herkömmliche Router unterstützen nur Übertragungswerte bis 56 MBit/s! Hier verlieren Power-Gamer sehr viel Bandbreite. Auch eine neue WLAN-Karte am PC kann für bessere Datenübertragung und geringere Latenz führen.
  • Router neu platzieren: Schlechte Übertragungsraten im WLAN können auch am Standort des Routers liegen. In solchen Fällen kann es einen deutlichen Geschwindigkeitsschub geben, wenn der Router optimal platziert wird. Das bedeutet: kein technisches Gerät in unmittelbarer Nähe, keine dicken Wände und Türen, keine sonstigen Hindernisse im Weg.
  • Repeater und Powerline-Adapter nutzen: Je weiter der Router vom Laptop, PC oder der Konsole entfernt ist, desto langsamer und fehleranfälliger ist die Übertragung der Daten. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die WLAN-Reichweite mit einem WLAN-Repeater zu vergrößern. Dieser fungiert dann quasi als Verstärker. Ähnliche Effekte lassen sich über die Stromleitung im Haus mit Powerline-Adaptern erzielen.

Alternative: Fürs Gaming den DSL-Tarif wechseln?

Wenn alles nicht fruchtet, hilft nur ein neuer DSL-Tarif. 16 MBit/s sollte das absolute Minimum sein, besser sind Anschlüsse mit 32 MBit/s oder 50 MBit/s. Wichtig: Die Latenzzeiten bei VDSL sind niedriger als bei normalen DSL-Anschlüssen. Daher sollten Gamer grundsätzlich auf die Bezeichnung VDSL achten. Darüber hinaus bieten Kabel-Internet-Anbieter je nach Region nicht selten auch schnellere Internet-Tarife an als der DSL-Anbieter. Diese Kabel sind extrem leistungsstark und weisen in der Regel zudem sehr geringe Latenzzeiten bei der Datenübertragung auf. Daher kann ein Kabelanschluss mit 50 MBit/s, 100 MBit/s oder mehr durchaus die attraktivste Alternative sein.

Weiterführende Information: Welcher Internet-Tarif passt zu mir: DSL, VDSL oder Kabel?

Alternative: Gaming per Surf-Stick?

Da auch die modernen LTE-Mobilfunknetze Bandbreiten von bis zu 300 MBit/s und niedrigen Ping-Werten versprechen, scheinen LTE-Internet & Surfsticks eine mögliche Alternative zu sein. Obwohl die technischen Eckwerte dafür sprechen, sollten Gamer nur in Ausnahmefällen wie z. B. bei schlechter Internetversorgung zu solchen Tarifen greifen. Der Grund: Schon bei einem kleinen Update ihres Lieblingsgames können Spieler schnell viele GB Datenvolumen verbrauchen. Da alle LTE-Internet-Tarife mit einer Geschwindigkeitsdrosselung nach Erreichen bestimmter Datenvoluminagekoppelt sind, wird Gaming per Stick bei hohen Datenbedarf zu einem kurzen Vergnügen.

Alternative: Gaming per Satellit?

In Regionen ohne Kabelnetz und mit schlechter Internetversorgung kann zudem Internet per Satellit eine verfügbare Breitband-Alternative für Gamer sein. Anders als bei Surfen im Mobilfunknetz sind bei Satelliten-DSL sogar echte Datenflats im Angebot. Allerdings sind die technischen Anforderungen mit einer besonderen Zwei-Wege-Schüssel (inkl. für Mieter die Erlaubnis zum Aufstellen), einem speziellen Modem sowie freie Sicht sehr groß. Viel entscheidender sind jedoch die sehr hohen Ping-Werte. Das liegt am langen Weg der Daten vom Gerät über das Modem zur Schüssel, von dort zum Satelliten und zurück zur Erde und dort zum Zielserver sowie zurück. Damit ist DSL per Satellit für normale Internetnutzer zwar eine gute Alternative, für Gamer aber nahezu unbrauchbar.